Hochtouren mit Bergführer

Fotos zur Tour

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Hochtour Wetterhorn 3701 m.ü.M.

16. / 17. August 2000 ( Glecksteinhütte )


Privattour: 2. Hochtour mit Bergführer. Dabei: Mein Bergführer Marco Bomio aus Grindelwald und ich. Dies ist meine einzige Hochtour im Jahr 2000, hoffentlich klappt es. Heute haben wir wiederum einen sehr heissen Sommertag erlebt, für Morgen ist es nicht mehr so super gemeldet. Nach zwei Anrufen mit meinem Führer verlasse ich Laufen um 11 40 h mit dem Schnellzug. Über Biel - Bern Interlaken nach Grindelwald, wo ich um 15 10 h eintreffe. Die Fahrt war unerträglich im Zug der BLS, keine Klimaanlage. In Grindelwald steht mein Bus bereit, kurze Fahrt Richtung Grosse Scheidegg bis zum Glecksteinweg "im undren Loichbiel". Vor mir strahlt der Obere Grindelwaldgletscher. Kurz vor Ende der Fahrt rumpelt es am Berg, der Gutzgletscher am Wetterhorn stösst Eisblöcke aus mehreren hundert Meter ab, es kracht die Felsen herunter nahe der Strasse. Das Eis kam vom Berg wie eine weisse Fontäne, so was habe ich in dieser Grösse noch nie gesehen. Es ist beeindruckend. Der Postchauffeur hält an und lässt mich fotografieren. Um 15 50 h beginnt meine Wanderung hoch zur bekannten Glecksteinhütte. Zuerst geht es durch Tannenwälder stetig aufwärts, der Weg hat ein paar heikle Stellen, ist abenteuerlich, die schlimmsten sind mit Stahlseilen gesichert. Weiter oben treffe ich auf die alte Bergstation der ersten Luftseilbahn der Welt. Sie wurde schon nach dem 2. Weltkrieg abgebrochen, darum war die Glecksteinhütte früher sogar ein Hotel. Während des Aufstiegs brennt die Sonne erbarmungslos auf meine rechte Schulter, T - Shirt weg und und sofort Sonnenöl eincrémen. Unter mir fliesst der Obere Grindelwaldgletscher, daneben das Restaurant Milchbach, von wo aus man die Gletschergrotte erreicht. Vor Jahren noch war die Höhle ganz nah, jetzt verläuft ein langer Holzsteg zum Eingang. Ein untrügliches Zeichen für den Rückgang des Eises. Weiter oben auf den Eis besuchten im Jahre 1988 Ändel und ich den ersten Eiskurs mit dem SAC Hohe Winde. Schöne Erinnerungen. 3 Jahre später waren wir wieder zum Eiskurs hier, aber als Alpengroupie - Tour. Leider spielte damals das Wetter nicht so mit. Beide Male nächtigten wir im Hotel Wetterhorn, ein super Ausgangspunkt für Alpinisten. Bald kommt ein kleiner Wasserfall, der über den Pfad fliesst und mich etwas kühlt. Über der First und dem Faulhorn türmen sich die Wolken immer höher auf. Der Weg wechselt nach links in einen steilen Grashügel. Hier hat ein Scherzbold seinen Rucksack, Kleider, F C Bayern - Schal und seine Socken hingelegt, so dass man meinen könnte, eine Leiche sei an dieser Stelle verfault. Sieht makaber aus. Etwa 20 Wanderer haben mich nun gekreuzt. Nach 2 Stunden Aufstieg erblicke ich nun die Hütte. Riesige Murmeltiere huschen über die Wiese, grosse, fette Tiere. Nach 2 Stunden 25 Minuten erreiche ich die Glecksteinhütte auf 2334 m. ü. M. Mein Bergführer Marco Bomio erwartet mich schon, er ist ca. 20 Minuten vor mir unten gestartet. Ich sah noch seinen roten Rucksack. Marco begrüsst mich und zeigt mir mein Zimmer. Wir besprechen nun die morgige Tour auf das Wetterhorn und das umliegende Panorama. Jetzt ein grosses Bier für mich, Marco nimmt auch gerne eins. Das tut gut in dieser Hitze. Um 19 00 h ist es Zeit für das Abendessen. Zwei lustige Asiaten sitzen an unserem Tisch mit ihrem Walliser Bergführer sowie eine Frau aus Deutschland mit ihrem einheimischen Führer. Nach dem Essen tragen wir uns im Hüttenbuch ein. Meine Getränke lasse ich anschreiben. Nur 22 Personen sind heute Abend auf der Hütte, die Tagestouristen sind alle wieder im Tal. Ein Natelruf zu Iris ist schon erledigt. Plötzlich ruft jemand: "Der Steinbock ist hier!" Ich eile nach draussen und traue meinen Augen nicht: Da steht ein ca. 6 jähriger kapitaler Steinbock auf der Einfassungsmauer und leckt Salz von den Granitplatten. Dazu gesellen sich 2 Geissen und ein herziges Junges. Alle Gäste zücken die Kameras, deshalb heisst diese Hütte " Gleckstein." Am Schluss posieren wir vor dem Tier, es ist ein Heidenspass, man staunt nur noch. Dann kommt die Hüttenwartin und bringt noch mehr Salz. So habe ich es noch nie erlebt. Im Tal unten brennen schon die Lichter von Grindelwald, um 21 10 h ist es praktisch dunkel. Ein gemütlicher Hüttenabend. Ich bestelle noch ein kleines Bierchen und packe meinen Korb mit unnützen Dingen: Socken, Unterwäsche, das Tourenbuch, Messer, Kugelschreiber. Der Rest muss mit. Dummerweise geht gerade jetzt meine Stirnlampenbatterie zur Neige. In der Küche kann ich eine neue 4,5 Volt Batterie kaufen, zum Glück. Die alte kommt in den Korb. ES ist 22 00 h. Nachrichten im Radio. Das gesunkene russische U - Boot "Kursk" und der Wetterbericht. Die alte Uhr in der Stube hat geschlagen, ich ziehe mich zurück. Die Ohrenpfropfen sind auch bereit. Meinem Führer habe ich 5 Fotos geschenkt vom Parasailing über Grindelwald, dem Mittagessen im Marmorbruch und dem tollen Abseilen am "Spider Highway", das er am 16. Oktober 1999 für uns Alpengroupies geleitet hat. Draussen leuchten die Sterne, über dem Dorf steht der Grosse Bär, am Wetterhorn klebt die "Cassiopeia", das grosse W. Sieht verheissungsvoll aus. Lange Zeit kann ich nicht einschlafen. Um 03 30 h ruft die Hüttenwartin zur Tagwache. Frühstück, packen, Stirnlampe einschalten und los geht's. Abmarsch vor der Hütte um 04 15 h. Nun 1 Stunde gemächliches Wandern, leicht ansteigend. Der noch volle Mond leuchtet unseren Weg aus, man sieht Sterne und Wölkchen. Nach 45 Minuten steigen wir in die ersten Felsen, dann kommt eine Ebene. Auf einem glatten Felsen ziehen wir Gschtältli und Steigeisen an, Marco bindet mich am Seil fest. Es ist recht warm, die Nullgradgrenze liegt auf 4300 m. Wir sind heute Morgen 11 Bergsteiger, darunter eine Frau, die das Wetterhorn bezwingen wollen. Vor uns liegt der Chrinnengletscher, den es zu überqueren gilt. Wir umlaufen das Blankeis linker Hand und steigen danach schräg nach rechts zu den Felsen auf. Um 05 30 h wird es langsam hell, die Bewölkung nimmt leider zu. Es sieht nicht mehr besonders gut aus, vom Eiger und auch von Thun her kommts nun richtig schwarz. Einige heikle Spalten liegen vor uns im Firnschnee, Pickel rein und auf passen, das Gelände ist ziemlich schräg. Nun auf die Felsen zu, der Walliser Führer mit seinen japanischen Gästen klettert vor uns. Es ist super zum Klettern hier im Gneis. Steigeisen ausziehen und den Pickel am Rucksack versorgen. Die Stirnlampe hat ihren Dienst getan, meinen Helm brauche ich noch nicht. Es ist 06 00 h. Aufsteigend über schöne Platten und Tritte, noch etwa 3 Stunden liegen vor uns. Nun quert man ein Bächlein und steigt auf ein Felsband rüber. Bald beginnt die eigentliche Kletterei , das sogenannte "Willsgrätli", benannt nach dem Erstbesteiger A. Wills. Senkrechte Platten aneinander liegend wechseln sich ab mit Blöcken und Türmen, die man umgehen muss. An den meisten Stellen aber überschreiten wir das "Willsgrätli" und der Fels wird da und dort schmal und eng, erinnert mich zwischendurch kurz an den Mittellegigrat am Eiger. Hinter uns wird das gewaltige Schreckhorn von der Sonne rot angestrahlt, die dunklen Wolken verschwinden langsam. Über uns der herrliche Grat am Wetterhorn mit seinen Türmen, nun auf ein schmales Felscouloir, darin pfeift der Wind von unten her heftig rein. Oben auf dem Sattel sehe ich das Schneefeld, das uns links hoch zum Gipfel führen wird. Es ist jetzt 07 30 h, Iris ist wohl wieder voll auf Draht daheim, ich denk an sie. Um 08 00 h sehen wir, dass das Wetter wieder stabil wird. Zwischendurch ein kurzer Halt, um Marschtee zu trinken. Der Sattel kommt immer näher. Rasiermesser scharf zieht sich im Westen der Mittellegigrat am Eiger empor. Kürzlich haben wir 3500 m. ü. M. erreicht. Es ist schöne Kletterei. Nach einer Weile verlassen wir die Felsen und stehen im Firnschnee auf dem Sattel. Der Wind weht stark, ich ziehe meine Gletscherbrille an. Nun merke ich, dass meine Mütze und meine Handschuhe noch immer zu Hause im Schrank liegen. Jetzt hängen wir uns steil in einen Firnhang hinein, etwas über 100 Meter hoch, die Sonne brennt über dem Rosenhorn. Hier muss man sehr trittsicher gehen, mein Führer schlägt Stufen in den Firn. Ab und zu ein paar Felsen, dann wieder im weichen Schnee aufwärts, weiter oben harter Firn. Die Glückshormone steigen. Noch ein kurzer Halt, etwas Tee, queren nach links, kurz über den Fels. Der Gipfel naht. Auf dem Gipfelgrat zum höchsten Punkt. Wie meistens auf den letzten paar Metern schiessen mir Tränen in die Augen vor Glück, ja, es ist geschafft. Um 08 40 h stehen wir beide als erstes Team heute auf dem Wetterhorn - Gipfel, auf 3701 m. ü. M. Ich bin happy, wir gratulieren einander. Danke, Marco für diesen Berg. Sonne und Wolken wechseln sich ab,es wird schattig und windig. Ringsherum Sonnenschein, wir schiessen ein paar Fotos. Vor vielen Jahren war mein Vater auch auf dem Wetterhorn gestanden, im Militär. Im Norden leuchtet der Thunersee, hinter uns das Rosenhorn und Dossen, Hasliberg und die Engelhörner. Im Süden das mächtige Schreckhorn, das alles dominiert, im Westen vor uns Mättenberg, Ankebälli, dahinter Eiger und Mönch. Vor uns, tief unten, liegt verträumt Grindelwald, eingebettet in dieses herrliche Grün, in der Sonne. Herrlich! Wir machen voneinander Gipfelbilder. Danach machen wir uns an den Abstieg, bleiben nur eine kurze Zeit auf dem höchsten Punkt. Und Tschüss. Das zweite Team kommt hoch, die Japaner. Schnell packe ich noch zwei Steine vom Gipfel in den Rucksack. Im steilen Firn treten wir zur Seite und lassen der deutsche Bergsteigerin den Vortritt. Vorsichtig abwärts, nur nicht ausrutschen. Weiter unten am Sattel zu den Felsen rechts, ein guter Windschutz. Meine erste Zigarette seit 4 Uhr Morgens wartet auf mich. Beim Natel von Bruno ist der Aku schon beim zweiten Versuch leer. Ich darf das Gerät von Mario benützen und melde mich bei Iris und danach bei meinen Eltern, dass alles gut gegangen ist. Freude herrscht! Dann klettern wir das "Willsgrätli" hinunter, schön langsam. 2 - 3 Mal rutsche ich auf Schotter und Platten aus, Marco hält mich super, sichert das Seil um die Blöcke herum. Interessant ist hier mittendrin in dieser herrlichen Kletterei der Wechsel von Kalkgestein auf Gneis während wenigen Metern. Wir beide sind nun ziemlich rassig unterwegs und überholen an einer geeigneten Stelle dann die japanische Seilschaft. Schon sind 1 ½ Stunden seit dem Gipfel vergangen. Am Ende des "Willsgrätli" rechts wieder in die Mulde, übers Bächlein, das kurz auch für Erfrischung sorgt. Danach wird das Gelände weniger steil. Der Weg ist gut erkennbar, nun nach rechts absteigend durch ein kleines Schneefels und danach auf den "Chrinnengletscher". Marco will die obere Spur durch den Firn nehmen, dann brauchen wir die Steigeisen nicht mehr anzuziehen. Mit dem Pickel in der rechten Hand durch tiefe Tritte, der Schnee ist nun sehr weich und sulzig. Das Wetter ist nun wieder strahlend schön, hatten wir ein Glück. Rechter Hand den Gletscher hinunter, ich mache noch ein paar Fotos. Vorhin auf dem Grat hatte ich einen tollen Tiefblick auf die Glecksteinhütte. Das Gebiet hier ist gewaltig schön. Über unseren Köpfen wieder der mächtige Westgrat des Wetterhorns mit seinen Türmen. , dahinter blauer Himmel. Bald erreichen wir die Felsen, wo heute früh angeseilt wurde. Nun bin ich zum zweiten Mal klatschnass. Hier gratuliert mit Marco zur gelungenen Hochtour aufs Wetterhorn, ich bedanke mich und staune. Wir seilen ab und verstauen das Seil im Rucksack. Setzen uns in die Sonne wie schon vor der Traversierung und trinken etwas, diskutieren über meine Kletterkünste. Es sagt, ich war gut unterwegs und auch fähig, mit ihm auch das gewaltige und schwierigere Schreckhorn zu besteigen, das freut mich. Vielleicht in 1 - 2 Jahren. Aber mit "noch leichterem Rucksack", meint er. Jetzt bezahle ich Marco seinen Führerlohn, Fr.800.-, somit wäre das Geschäftliche auch erfüllt. Habe viel gelernt heute. Noch ein Gruppenfoto mit Selbstauslöser. Die deutsche Frau ind ihr Führer treffen bei uns ein, die zwei Japaner sind noch weit oben. Es geht weiter durch Sulzschnee, wir rutschen ein Schneebrett hinab, dann auf den Wanderweg und durch eine Schafherde hindurch erreichen wir die Glecksteinhütte. Ende der Tour, es war super, Danke vielmals, Marco. Wir brauchten ohne Pausen genau 3 Stunden vom Gipfel zur Hütte zurück. Meine Knie schmerzen langsam. In der Hütte nun ein kaltes Bier zur Feier des Tages, ich habe endlich Kohldampf und heute noch fast nichts gegessen ausser Schokolade. Bestelle am Tisch einen Teller Spaghetti, viele gute Kohlenhydrate. Mit Marco's Natel melde ich mich nochmals bei Iris, es ist jetzt 12 20 h. Ich kaufe bei der Hüttenwartin einen Pin sowie ein Hütten -T- Shirt und bezahle meine Schulden. Die klatschnassen Kleider, Unterleibchen, Groupie - T-Shirt und das Hemd trockne ich draussen in der Sonne auf der Mauer. Der Spaghetti Teller tut mit gut. Nach 1 Stunde wird gepackt und wir marschieren hier ab, komme wieder mal vorbei. Schon in 70 Minuten fährt unser Bus unten an der Passstrasse, wir geben Gas. Es ist heiss, die Zeit wird wohl nicht reichen. Kurze Zeit später braut sich ein Gewitter zusammen und schon fängt es an zu regnen. Man rutscht auf den Platten aus. Am Wasserfall vorbei, ein gerader Weg, dann wieder ansteigend. Um den Berg herum oberhalb der alten Station. Nun regnet es ein zweites Mal und hört wiederum auf. Unter uns der Obere Gletscher, der sich auch seit meinem letzten Besuch 1991 extrem zurückgezogen hat. Der Eingang zur blauen Eisgrotte befindet sich viel höher als damals. Zur Grotte führt der lange Holzsteg hoch, es ist traurig, solche Vergleiche zu machen. Geniessen wir die Gletscher, solange es sie noch gibt. Langsam bin ich am Anschlag, es ist 14 30 h. Wir beide schaffen es nicht mehr auf den Bus, hetzen bringt nichts mehr. Kurz vor Ende des Hüttenweges steigen wir direkt am zu einem hübschen Beizli mit Vogelpark. Hier fährt uns das Postauto vor der Nase ab. Es donnert und regnet nun zum dritten Mal seit der Hütte. Es ist ein gutes Gefühl, nach einem Gipfelerfolg so schnell in ein Sommergewitter zu gelangen, nachdem alles vorbei ist. Ein Coke trinke ich vor lauter Durst auf der Stelle leer, Marco rät mir, ich solle einen Kafi Strahler bestellen. Es sind sehr nette Leute hier. 100 Minuten nach Abmarsch auf der Hütte findet diese Tour hier ein Ende. Der Kafi Strahler kommt mit Rahm, Schnaps, Blumen auf dem Unterteller und einem schönen Rauchquarz, den ich später Iris schenken werde. Eine Weile später kommt ein weiterer Bus, es regnet immer noch. Marco und ich tauschen unsere E - Mail Adressen aus und betreten dann den überfüllten Bus. Während der Fahrt verabschieden wir uns, bis zum nächsten Mal. Er steigt bei der Station Steinbock aus, ich fahre weiter bis zum Bahnhof und lasse mir einen Fahrplan ausdrucken. Gesamte Marschzeit war heute 9 Stunden 15 Minuten. Natürlich kann man Aufstieg und Abstieg in Höhenmeter nicht gleich rechnen, doch waren es insgesamt am heutigen Tag Aufstieg = 1400 m. und Abstieg = 1400 m., Abstieg von der Hütte ins Tal = 700 m., ergibt gesamthaft 3500 Höhenmeter. Für mich fast ein neuer Rekord. Bald fährt mein Zug, ich unterhalte mich mit einer japanischen Familie über Grindelwald und Zermatt, das die beiden Morgen besuchen werden für zwei Tage. Das umsteigen in Interlaken Ost, Bern und Biel fällt mir immer schwerer, die Knie schmerzen nun ziemlich heftig. Um 19 15 h holt mich Iris am Bahnhof Laufen ab, zuhause geniesse ich das süsse Nichtstun auf dem Sitzplatz. Wir beide stossen auf das Wetterhorn an mit einem feinen Chambolle - Mussigny 1988, eine Flasche Wein, die wir vor 9 Jahren im Burgund gekauft haben. Am nächsten Tag habe ich Muskelkater im Oberschenkel, wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt habe. In diesem Sommer fehlt mir einfach die gewisse Fitness, ich wusste es.... Jetzt schreibe ich 7 Glecksteinkarten an meine Freunde und geniesse meine dreiwöchigen Sommerferien nun gemütlich mit Iris zu Ende.

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Klettertour Eiger 3970 m. ü. M.

Mittellegihütte - Mittellegigrat - Gipfel - südliches Eigerjoch - Mönchsjoch - Mönchsjochhütte - Jungfraujoch

11. / 12. August 1998. Meine private Traumtour!

Dabei sind: Mein erster Bergführer Hasueli Klossner aus Grindelwald und ich. Ein grosser Traum wird heute und morgen für mich wahr: Die Besteigung des weltberühmten Eiger im Berner Oberland, natürlich nicht durch die berüchtigte Nordwand, solche extreme Leistungen überlassen wir den Vollprofis. Zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich mir einen Bergführer, er kostet Fr.890.- für diese grosse Tour inkl. Übernachtung in der Mittellegihütte, dafür muss ich mein Seil nicht selber tragen. Das Natel von Iris hab ich auch dabei. Nach 12 Jahren ziemlich aktivem Bergsteigen gehe ich nun mit einem Führer auf den grossen Koloss aus dunklem Fels, ich verlasse Iris um 09 40 h in Laufen, mit dem Zug über Biel - Bern - Interlaken nach Grindelwald, das ich um 13 08 h erreiche. Wir haben nun seit gestern wohlverdiente Sommerferien und ich kann unter der Woche gehen. Wettermässig gibt es heute den absoluten Hitzerekord, nämlich sagenhafte 38 Grad Bruthitze. Was für ein Glück und erst noch ohne Gewitter in den Bergen. In 4 Stunden werde ich meinen "Meister" treffen. In Interlaken lerne ich ein Paar kennen aus Südafrika und gebe ihnen ein paar Tips, denn sie fahren heute auf das Jungfraujoch, in Grindelwald trennen wir uns wieder. Ich gehe essen in der Oberland Stube, bei Spaghetti Bolognese und einer Stange Bier schaue ich zum Eiger hoch und bereite mich auch etwas seelisch darauf vor. Links vom Gipfel zieht sich dieser lange Mittellegi hinab, was für ein Grat. Auch hier im Gletscherdorf herrscht extreme Hitze. Um 14 19 h fährt mein Zug hoch zur Kleinen Scheidegg, umsteigen und weiter mit der Jungfraubahn zur Station Eigergletscher, weiter in die Eigerwand und schliesslich zur Station Eismeer, Ankunft um 15 40 h. Hier im Stollen treffe ich meinen Bergführer, Hansueli Klossner. Er ruft meinen Namen und bietet mir sofort das Duzis an. Jetzt geht es los, ab in den Stollen, die Türe auf, ein starker Wind bläst uns entgegen. 10 Jahre bin ich nicht mehr hier gewesen, das letzte Mal mit Ändel, auch wir waren in diesem Stollen bis zur Südwand, um das Ganze etwas zu erforschen. Wir beide haben Gschtältli und Pickel montiert er hat mich angeseilt. Er meint, mein Rucksack wäre zu schwer, doch was soll ich hier zurück lassen? Die Kamera sowieso nicht, das geht schon. Üeber ziemlich Blankeis die Treppe im Innern des Berges hinunter ins Stollenloch und raus in die hochalpine Bergwelt auf 3150 m. ü. M. Das Abenteuer beginnt, nun auf den Firn, erste Spalten sind zu sehen. Nach 10 Minuten sagt Hansueli, wir geben jetzt Tempo wegen dem Eisabbruch über uns, eine heisse Stelle. Dann fängt er an zu rennen, über Schneebrücken und Spalten, sehr rassig, ich schnaufe wie ein Büffel, Wahnsinn, über 100 Meter geht das so. Dann kann ich mich einen Moment lang fast nicht mehr erholen, er hat mich kurz dran genommen, durchatmen und etwas trinken. Wir sind auf dem Challifirn und traversieren nun Richtung Mittellegihütte. Hoch oben thront die Hütte, nun in die Felsen, recht steil, gleich wird's ziemlich krass, ist aber eine tolle Kletterei, habe später etwas Mühe. Der Fels besteht aus Kalk, fantastisch zum greifen, 100 Meter also hoch und danach auf gutem Weglein leicht aufsteigend, herrlich. Wir sind schon nah, nochmals steiler hoch, Karabiner aus den Bohrhaken nehmen, jetzt auf den Grat, noch 50 Meter, dann erreichen wir die berühmte Mittellegihütte auf 3355 m. ü. M. nach sagenhaften 75 Minuten Aufstieg. Hansueli hat mächtig Gas gegeben, er meldet uns an, der Schlafplatz wird bezogen, ein Blick in die kleine Küche. Der Eigergrat liegt direkt vor uns, super, 600 Höhenmeter liegen morgen vor uns, die Ostwand und die Nordwand des Eigers steht im Nebel. Neben der alten Hütte steht die halbrunde Biwakschachtel mit der Küche und weiteren Betten, hier schlafe ich, er schläft dann im Stauraum unter dem "Dach" der Biwakschachtel. Hansueli gratuliert mir zum Aufstieg und staunt, wie ich kletterte mit meinen mächtigen Scarpa - Schalenschuhen. Beim dritten Anlauf erwische ich Iris auf dem Natel, kann 20 Sekunden reden und weg ist sie. Später komme ich nicht mehr durch. Um 18 00 h kommt das Nachtessen in der altehrwürdigen Mittellegihütte, in der Stube. An der Wand hängt ein Bild von Yokomaki, dem japanischen Erstbesteiger und Erbauer der Hütte, da staunt man. Es ist sehr schön hier, die nette Wartin, Renate, kocht gut. Es gibt Suppe, Salat, Risotto und ein Dessert. Dazu roten Dole vom Führer, sehr gemütlich. Die Hütte ist ausgebucht, ein paar Asiaten sind auch hier und wollen den Eiger überschreiten. Beim Aufstieg hatte ich extrem Durst gelitten, wie damals am Matterhorn, vielleicht ist es auch die Aufregung. Jetzt kommt die Sonne zu uns, man sieht den ganzen Berg, dieser Grat ist so schmal. Das Licht bricht sich, Wolken, Nebelschwaden, der Tiefblick auf Grindelwald und rüber nach Mürren ist sehr bewegend. Wir hocken draussen auf den Felsen und warten auf die Nacht. Hansueli meint, ich sollte hier auf dem kleinen Platz einfach nicht zu weit in den Ausgang gehen…. Bei einem Absturz runter nach Alpiglen - Grindelwald wären es 1700 Meter Differenz bis ins Dorf, es schaudert einen etwas. Es wird 20 00 h, ins Lager geht es dann um 20 50 h. Das einschlafen fällt mir schwer, die Tagwache ist um 03 15 h, tief unten im Tal leuchtet Grindelwald. Mein Nachbar hat heftig geschnarcht und unser Blechbiwak hat gar keine Türe, das fällt mir erst in der Nacht auf. Trotzdem hatte ich nicht kalt, habe etwa 3 - 4 Stunden geschlafen. Als mich dann Hansueli wecken will, bin ich schon bereit im Gschtältli und hänge draussen nervös an der ersten Zigarette. Jetzt schnell einen Kaffee, Brot, Butter und Konfi in der engen Küche, dann sind wir bereit für den Gipfelsieg. In tiefster Nacht starten wir um 04 05 h, seilen an und nun über den schmalen Grat über Platten geradeaus. Vor uns steht schon der erste Gendarm, ein Felsturm, Hansueli in voller Action im Vorstieg, er sichert mich von oben her sehr gut. In rassigem Tempo die Wände hoch, dort ein Bohrhaken und da ist ein Ring, um das Seil einzuhängen. Im muss die Griffe suchen, möchte hier auf keinen Fall im Vorstieg klettern. Hansueli ist sehr flink, ein paar Griffe und Schritte und schon ist er wieder 10 Meter über mir. Später erreichen wir die ersten Fixseile, auf einen Turm hoch, über diesen und wieder etwas runter, am Fixseil. Ich habe genügend Zeit, zwischendurch Fotos zu machen. Auf dem Kopf hab ich nur die Stirnlampe, noch ohne Helm. Wir beide sind die dritte Zweierseilschaft am Berg, hinter uns befinden sich noch etwa 30 Bergsteiger. Die Stirnlampen leuchten im Dunkeln wie Glühwürmchen. Nun der erste grosse Turm, steil hoch mit tollen Griffen und dann auf dem Hosenboden wieder runter. Wir klettern jetzt eine gute Stunde und sind schon weit gekommen, es beginnt die Dämmerung, die Nacht ist zu Ende. Man blickt in die berühmte Lauper - Route in der Eiger - Ostwand, wo auf meinem Videofilm zu Hause Hansueli zu sehen ist. Wieder ein langes Fixseil am nächsten Turm, ohne diese Hilfe hier wäre ich am Ende. Der Mönch nebenan beginnt nun rot zu glühen, das schönste in diesen Stunden, am frühen Morgen. Die Sonne geht im Osten auf, es ist einfach gewaltig, der Helm kommt aus dem Rucksack und wird angezogen. Etwas Wärme, herrliche Rundblicke, ein Schluck Mineralwasser und weiter. Der grosse Aufschwung liegt vor uns, zuerst noch über wacklige Platten. Wir beide sind gediegen alleine, reden übers Bergsteigen, die Alpengroupies, den Papst, übers Reisen und Gott und die Welt. Nun den steilen Felsturm hinauf, 30 Meter, so hoch wie der Kirchturm zu Erschwil, und dann stehen wir auf dem Vorgipfel. Die Euphorie beginnt, kribbeln und Freude, es ist 07 15 h. Jetzt gegen eine Wächte hoch, die grösste hier im Gipfelfeld, dahinter ein super Blick in die Nordost - und Nordwand. Der Wind bläst mir ins Gesicht, fast 2000 Meter geht es hier runter. Vom Firnschnee am Ende der Wächte in Fels und Geröll weiter, der Grat wird schmal, jetzt wird die Luft ganz ruhig. Da ist der höchste Punkt, noch ein paar Meter, ja, jetzt erreichen wir den Gipfel des Eiger auf 3970 m. ü. M., es ist genau 07 30 h, ein Traum wird wahr, wir beide stehen auf dem berühmten Eiger, Wow! Endlich! Aber eigentlich ging der Schlussspurt recht schnell. Hansueli reicht mir die Hand und gratuliert, wir haben es geschafft. Ein Glücksgefühl durchströhmt mich, dieses Erlebnis drückt etwas auf die Tränendrüsen, ich bin total happy. 3,5 Stunden Aufstiegszeit brauchten wir nur von der Mittellegihütte zum Eiger - Gipfel. Over the Top! Freude herrscht! Jetzt habe ich alle drei Gipfel Eiger - Mönch - Jungfrau bestiegen, das Dreigestirn der Berner Alpen! Vom Gipfel funke ich die Frohbotschaft nach Hause zu Iris, Heidy und Elsi. Der Schluck Gipfelwein liegt auf dem Eiger natürlich nicht drin, den gibt`s dann in der Hütte. Auf dem Berg ist erst die halbe Tour vorbei, was wird noch kommen im Eigerjoch? Etwas Kleines essen, trinken und eine wohlverdiente Zigi auf den Gipfelfelsen, Hansueli fotografiert mich, ich mache viele Fotos und geniesse den Moment. Das Fläschchen Henniez hat mir Hansueli schon längst mit einer Reepschnur am Gschtältli befestigt. Eine weitere Seilschaft kommt oben an, ich sammle noch ein paar Gipfelsteine, denn die sind für mich Gold wert. Unten im Tal glänzen die Häuser und das Grün der Wiesen leuchtet in die Ewigkeit der Berge. Nach 30 Minuten auf dem Eiger seilen wir uns wieder an und machen uns auf den Weg ins Eigerjoch Richtung Westen, Adieu Gipfel. Noch ein Stück Weglein, dann durch Geröll und über Platten abwärts, ziemlich steil, dazu kommen 2 Abseilstellen von über 30 Meter Höhe, leicht überhängend, ein super Gefühl. Hier hängt ein rotes Seil von einer Gruppe Engländer, das nicht mehr ganz sauber ist, Hansueli nimmt es mit, zu gefährlich. Rechts fliesst der Eigergletscher herunter, man muss sich konzentrieren und aufpassen, es ist landschaftlich fantastisch hier. Bald erreichen wir das nördliche Eigerjoch auf 3614 Meter. Nun wechselt das Gestein auf ein paar Meter von Kalk in Gneis, der schwarze Eigerkalk wechselt also in braunroten Gneis, sehr interessant. Dann erreichen wir diese Türme, es folgt eine herrliche Kletterei in griffigem Gneis, ein grandioser weiterer Höhepunkt dieser Tour, Hansueli behält recht. Über ein Firnfeld nun wieder aufwärts, noch mehr Gendarme und kleinere Wände liegen vor uns, rauf und runter, mal links hoch und mal rechts rüber. Eine Tiefe von gegen 100 Meter liegt unter mir. 1,5 Meter vor mir der Fels, dazwischen pure Luft, nach diesem Abgrund, da geht der Weg weiter. Wahnsinn. Ein Tritt in der Grösse des Schuhes in der nächsten Felskante, er wartet richtig auf meinen Schuh und links hängt eine Reepschnur zum halten. Wunderbar, ein Sprung und drüben bin ich schon. Das war genial. Meine Beine beginnen langsam zu brennen, trotzdem geniesse ich hier jeden Tritt und jeden Griff. Irgendwo unter uns fährt die Jungfraubahn, links strahlt das "Obere Ischmeer". Nun ein Blick zu unserem Ausgangspunkt von gestern, der Weg zur Hütte, der Firnweg vor der Station Eismeer ist nun komplett verschüttet, wie recht Hansueli doch hatte mit seiner Rennerei. Auf 3770 Meter endet diese heisse Kletterei, wir erreichen im Firn das südliche Eigerjoch auf 3759 Meter. Hier gibt es eine Pause im Sulzschnee, etwas essen und trinken, Zeit, um Fotos zu machen. Ein Blick zurück zur Eigersüdwand mit dem Aufstieg über den Mittellegigrat und den Abstieg vom Gipfel. Wir umrunden den Berg langsam, über Schnee dann zum Beginn des "Ewigschneefäld". Bis hierher brauchten wir 3 Stunden vom Gipfel her. In grosser Hitze nun weiter abwärts, hier war ich auch noch nie und bin der Meinung, wir steigen bald zur Mönchsjochhütte ab. Doch nun kommt ein Bruch mit riesigen Spalten, ich gehe abwärts voraus, Sicherung von hinten, bin fast senkrecht im Schnee und verliere kurz mein Bein in einer Gletscherspalte. Nach kleinem Schreck hinunter auf 3550 Meter, Hansueli sichert mich weiter. In dieser "Lücke" unten sehe ich schon die Mönchsjochhütte, doch vorher folgt ein letzter "Türk", ein 100 Meter Aufstieg in der prallen Sonne. Ich kriege hier fast einen Hirnschlag und sollte das Hemd ausziehen. Hansueli sagt es wie Anita Weyermann: "Gring abe u seckle!" Das mit dem Grind stimmt. Danach erreichen wir das Joch, rechts am Trugberg vorbei und das kleine Stück hoch zur mir gut bekannten Mönchsjochhütte auf 3650 m. ü. M. Es ist vollbracht, unsere super Eiger - Tour endet hier, wir haben es geschafft, Hansueli gratuliert mir. Nun biete ich ihm meinen Gipfelwein an, der noch recht kühl ist, und dann wird auf den Gipfel angestossen. 4,5 Stunden liegen nun hinter uns seit dem Eiger - Gipfel, die gesamte Zeit beträgt also genau 8 Stunden für die Überschreitung von der Mittellegihütte aus. Noch bleibt mir viel Zeit, in der Hütte diskutieren wir, tauschen die Adressen aus und Hansueli spendiert mir ein kaltes Heineken - Bier bei der hübschen Hüttenwartin. Dann verabschieden wir uns und ich spaziere die "Autobahn" hinunter zum Jungfraujoch, heute bin ich das 16. Mal auf dem Jungfraujoch gewesen. Der nächste Zug fährt um 15 00 h, neuerdings muss man auch auf dem Joch im Tunnel anstehen wie in Disneyland, schon etwas blöd. Wieder sitze ich im Gepäckabteil und schon kommt mein Bergführer und weitere Mittellegi - Bezwinger herein. Hansueli hat Morgen keinen Gast für die Jungfrau, aber für den Mönch. Er hat nun seit dem letzten Samstag dreimal den Mittellegi geklettert und zwischendurch auch noch die Jungfrau bestiegen, man stelle sich das vor. Ich könnte das nicht durch halten. Wir fahren noch zusammen bis Grindelwald und dann ist mein Führer weg. Weiter nach Interlaken in die Bruthitze, dann nach Spiez, bei Leissigen schlagen riesige Blitze in den Thunersee ein. Was hatten wir nur für ein Glück gehabt auf dieser tollen Tour zum Eiger, ich bin sehr zufrieden. Über Thun - Bern - Biel nach Laufen zurück, um 22 18 h bin ich wieder daheim, alles ging gut. Nun kommt im Fernsehen bald Eiger Live, ich bin gespannt auf diese grosse Live - Durchsteigung der Eigernordwand mit SF DRS!


Ein Traum wurde für mich wahr: - Der Traum hiess EIGER - MITTELLEGIGRAT!!

Vielen Dank für die super Führung, Hansueli, es gibt bestimmt ein nächstes Mal!

Erschwil, den 18. August 1998, Georg Grolimund

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So freuen wir uns noch auf die letzten zwei Touren in diesem Jahr und auf unser grosses Jubiläumsfest, den 16. Tourenausklang am 25. November 2006. Doch zuerst ruft uns noch ein ganz anderes Abenteuer.


Jubiläumstour 20 Jahre Alpengroupies

Herbstwanderung Saastal / Abenteuer Gorge Alpine

14. / 15. Oktober 2006 *

Hotel Mistral, Saas Fee / Holzwurm - Bar, Jubiläumsvideofilm 2006

Dabei sind diesmal: Mirella, Raphael, Elisabeth, Eric und Daniela, Jackie und Giusi, ich und ab Sonntag Früh Christoph. Wir besammeln uns um 07 00 h im Bahnhof Laufen, Mirella sitzt schon im Zug. Alles ist reserviert, aber nicht für 10, sondern für 30 Personen, war nicht mein Fehler. Abfahrt in Laufen um 07 22 h, Fahrt über Delémont - Biel nach Bern. Hier kaufen wir beim umsteigen Salzbrezeln, um unseren Hunger zu stillen. Die passen genial zu einem Apéro während der Fahrt durch den Lötschberg. In Bern ab 09 06 h, in Brig an 10 42 h. Weiter in Brig mit der Matterhorn - Gotthardbahn um 11 05 h, Ankunft in Stalden - Saas um 11 28 h. Hier bin ich noch niemals ausgestiegen. Wir lösen die Billette für die kleine Seilbahn, die sich über 2 Sektionen erstreckt. Der Fahrpreis beträgt nur Fr.3.90.-, das ist extrem billig. Das Weekend kostet ja schon genug. Mit der Seilbahn nun von Stalden - Saas nach Gspon. Bei herrlichem Wetter steigen wir aus und geniessen auf knapp 1900 Meter die Sonne und das Panorama. Im "Alpenblick" genehmigen wir uns etwas kaltes, von Raphael und Bethli spendiert. Herzlichen Dank! Hier beginnt unser Wanderweg, der uns in 4 1/2 Stunden auf schönem Walliser Höhenweg nach Saas Balen führt. Rechts strahlt die Mischabelgruppe mit dem Dürrenhorn zu uns herüber. Im Internet findet man folgenden Text über den Grossen Walserweg: "Die Wanderung von Gspon nach Saas Grund gehört zu den beliebtesten Höhenrouten im Saastal. Sie ist Teil des "Grossen Walserweges". Hoch über der Schlucht der Saaser Vispa verläuft die Route meist knapp über der Baumgrenze und bietet fantastische Ausblicke auf die Walliser- und Berner-Bergriesen. Höhepunkt ist der erhabene Blick hinüber auf die vergletscherten Viertausender der Michabelgruppe. Startort: Seilbahnstation Gspon. Zielort: Saas Grund. Wanderzeit: 4 h 10. Saison: Juli bis Oktober. Steigung/Kondition: 430 m Aufstieg und 770 m Abstieg. Verpflegung in: Gspon, Heimischgartu, Saas Grund". Also los geht`s, wir starten um 12 30 h, wandern leicht abwärts an alten Häusern vorbei, um dann in den Wald zu gelangen. Die Sonne taucht die Bäume in ein fantastisches Licht, die Lärchen leuchten wunderbar goldgelb - orange, ein schöner Anblick. Fast keine Wanderer sind unterwegs, es herrscht eine grosse Ruhe. Der Höhenweg ist wirklich sehr schön. Die Idee der Schluchtendurchquerung Gorge Alpine am Sonntagmorgen in Saas Fee stammt von Christoph Wehrli, ich habe mich beim Höhenweg nicht für Grächen - Saas Fee, sondern für Gspon - Saas Grund entschieden. Meine neue Videokamera ist auch mit dabei, da die Jubiläumshochtour Wildhorn nicht möglich war. Wir wandern nach einiger Zeit in einen richtigen Zauberwald hinein, es folgt ein Bergweg zu einer Alp, der kleine, nette Weiler heisst Oberfinilu auf 2039 Meter, daneben steht eine neue Kapelle aus dem Jahr 2003. Von hier aus sieht man erstmals das Allalinhorn. Später geht es steiler aufwärts, wir erreichen ein Bergsturzgebiet, das wir schnell queren müssen. Auf einem Steinschlagschild steht sogar "Halten verboten" drauf. Dann beginnt ein weiteres Couloir, als wir dies hinter uns haben, gibt es eine kleine Pause. Hoch über unseren Köpfen hängt eine dicke Wasserleitung aus Röhren in der Luft. 30 Minuten später wandern wir auf einer Hochebene, runter zu einem Bergbach, auf der Holzbrücke machen wir ein Gruppenfoto. Nach 2 ½ Stunden machen sich die Wolken breit und es beginnt langsam zu tröpfeln. Es wurde auch in etwa so gemeldet. Eine zweite, grosse Hochebene wird erreicht unterhalb des Simelihorns. Hier steht auf dem Wegweiser Siwibode auf 2244 m. ü. M. folgendes: Saas Grund über Heimischgartu 2 h 20 min. und hinunter nach Saas Balen 1h 30 min. Der Wind nimmt auch zu und auf den Gipfeln der Mischabelgruppe schneit es schon. Wir entscheiden uns für Saas Balen. Über Magerwiesen weiter abwärts und in den Wald hinein. Ein kleiner Weiler, die erste Strasse, ein paar Häuser. Und dort steht das alte Haus von Rocky Docky, so angeschrieben, wahrscheinlich sind das Ferienwohnungen. Noch ein Halt und hier beginnt oder endet ein Kreuzweg. Knapp über dem Dorf entdecken wir einen treppenartigen, wunderschönen Wasserfall und gleich daneben einen sehr hohen Fall, welcher gegen 40 Meter misst. Um 17 30 h erreichen wir das Dorf Saas Balen, fünf Minuten später fährt bereits unser Postauto. In 15 Minuten mit dem Bus hinauf nach Saas Fee, ich bestelle mit dem Natel im Mistral das Elektrotaxi. Pünktlich werden wir am Busbahnhof Saas Fee abgeholt, persönlich von der Chefin. Bald erreichen wir das Hotel Mistral, wo ich nach 1992, 1998, 2001 zum vierten Mal nächtige. Im Jahr 2003 waren wir auch kurz zum Apéro im Mistral, um danach die Britanniahütte zu besuchen und am Sonntag das Strahlhorn mit 15 Groupies zu bezwingen. Es wird mein achter Besuch in Saas Fee. Im Internet steht unter http://www.hotel-mistral.ch/ folgendes über das Hotel Mistral ***: "Die Zimmer sind geschmackvoll und gemütlich eingerichtet. Alle sind mit Bad oder Dusche, WC, Haartrockner, Kabel-TV mit Radio und Wecker, mit Fax- und Modem-Anschluss, Direktwahltelefon, Safe und Balkon ausgestattet. Inbegriffen: Uebernachtung, reichhaltiges Frühstücksbuffet, Benützung des Dampfbades, Transfer Parking-Hotel-Parking, Alle Taxen und MWST. Im Haus befinden sich ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit Hotelbar, Dampfbad und Solarium. Internet-Corner für Gratis-Benützung. Empfehlen möchten wir auch unsere Küche. Wir liegen sehr zentral nur ca. 200 Meter von den Bergbahnen entfernt. Auch das Dorfzentrum ist in 5 Gehminuten erreichbar." In der rustikalen Gaststube geniessen wir einen tollen kulinarischen Abend und essen à la Carte. Die Chefin, Frau Heidi Supersaxo, stammt aus Beinwil SO und wird uns auch heute Abend wieder kulinarisch verwöhnen. Doch zuerst werden die Zimmer bezogen, geduscht, ausgepackt und teilweise auch ein Sprudelbad in der Wanne genossen. Die Zimmer sind sehr schön renoviert, es fehlt uns an gar nichts. Eine Stunde später treffen sich alle in der Hotelbar, bevor wir uns an unseren sehr schönen Tisch begeben. Die Fahne hängt wie immer schon an der Wand. Um 20 00 h sind alle bereit zum Abendessen, jeder hat Kleider dabei für den Ausgang, ich noch meine schwarzen, tuntigen Schuhe fürs Dancing. Wenn schon, denn schon. 2 ½ Stunden lang werden wir nun verwöhnt, jeder bestellt, was er will, für mich und Eric je 6 Schnecken an Kräuterbutter und mein Hirschmedaillon mit allen Beilagen. Andere Darbietungen heissen Gemspfeffer, Mais Poularde, Schweinssteak, Kürbissuppe, div. Salate, Zürcher Geschnetzeltes, Desserts und so weiter. Dazu 3 Flaschen feiner Pinot Noir 2005 der Stadt Leuk für nur Fr.39.- pro Bouteille und 3 Liter Mineralwasser. Guisi hat in seinem gemischten Salat viel Peperoni, was ihm nicht zusagt. Er bekommt einen Neuen. Später beim Dessert fehlt ihm Schnaps auf dem Sorbet, wird auch erfüllt. Er motzt an diesem schönen Tische und wir grinsen. Es sind heute ja auch vier Frauen an der Tour dabei, aber Guisi bekommt hier einen Übernamen. Von heute an nennen wir ihn nur noch die DIVA! Kaffee crème und diverse Schnäpsli gehen auf Kosten des Hauses, herzlichen Dank! Wir bezahlen das Nachtessen und ich ziehe den Groupiebeitrag ein. Nach 22 00 h gehen wir alle in den Ausgang. 3 Pub`s sind rammelvoll von Einheimischen und Gästen, das ist nicht mehr unser Ding. Als wir etwas enttäuscht heimwärts ziehen, meint Daniela, da ist ja noch die Holzwurm - Bar. Hier unten finden wir endlich Platz, das Duo Twins sorgt für die Musik. Es sind zwei bildhübsche Zwillinge aus dem Osten und ihre Musik überzeugt. Ich bekomme hier einen Pina Colada, einige bestellen den Spezial Kafi "Flämmli" mit Kaffee, Zucker und Schnaps. Der Wirt Christian zeigt uns, wie es geht. Meine Videokamera ist auch hier mit dabei. Die Stimmung wird ausgelassener, bald schon hängt das Cognacglas in der Luft an Giusi`s Hand, angesaugt vom brennenden Williams, also ein Vakkum. Auch sein Finger brennt, später zündet er sich daran sogar eine Zigarette an. Jetzt wird getanzt, wir machen hier richtig Stimmung. Auch Mirella schwingt nach einigem Zögern mit, 2 Runden Bier werden noch bestellt. Als die Band den letzten Song spielt, wünscht sich Giusi "Alperose" und die Girls spielen den Song tatsächlich. Dann schnappe ich mir sofort das Mikrofon und gebe den Song zum besten, leider spielen sie auf A drei Töne höher. Nichts für meine Stimme, doch es kommt einigermassen gut. Die Groupies feiern ganz vorne mit, die Girls strahlen. Später bearbeite ich noch das Piano und spiele "Tschäggeti Chüeh" und gleich danach noch "Sympathy" von den Stones. War das der Hammer, ein wirklich tolles Fest. Dann posiere ich mit den Girls und später auch die ganze Gruppe. So endet ein feucht - fröhlicher Abend in der Holzwurm - Bar in Saas Fee. http://www.holzwurm-bar.ch/ Wir verlinken das Ganze mal später auf der Homepage. Weil es Jackie und Giusi hier so super gefallen hat, spendieren sie gleich alle Getränke hier an diesem Abend in der Bar, besten Dank den beiden. Um 03 00 h kehren wir dann endlich ins Hotel zurück. Noch 4 Stunden Schlaf haben wir zur Verfügung. Gegen 07 45 h treffen alle zum grossen Frühstücksbuffet ein. Bethli schläft aus und geht dann das Dorf anschauen und shoppen. Nun den Rucksack packen, Zimmer räumen, wir machen in der Hotelbar ein Depot. Unterdessen fährt Christoph von Büsserach nach Saas Fee und hat noch fast einen Unfall unterhalb des Dorfes. Er kommt ins rutschen und hat grosses Glück, nicht einen Abhang hinunter zu stürzen. Ein anderer Automobilist ruft sogleich den TCS, was Christoph dann gleich mal Fr.250.- kostet. Um 08 45 h steht er bereit auf dem Dorfplatz. Nun zum Busbahnhof, wo uns um 09 00 h unser Bergführer erwartet. Er heisst Xaver Bumann und ist etwa 62 Jahre alt. Er wird uns nun durch diese gewaltige Schlucht Gorge Alpine führen. Unter der Leitung dieses Bergführers begehen wir die Schlucht Gorge Alpine: Im Internet finden wir folgenden Text unter http://www.weissmies.ch/006sat_13_de.htm

"Gorge Alpine - der schönste Weg von Saas-Fee nach Saas-Grund
Das Abenteuer im Saastal: Gorge Alpine

Der dynamische Klettersteig, der alle begeistert. Der schönste, eindrücklichste Weg durch die Schlucht von Saas-Fee nach Saas-Grund, ein Weg zwischen Wasser, Luft und Fels - ein verstecktes Naturschauspiel. Stahlseile, Leitern, Eisenstifte und Hängebrücken bieten einen sicheren Durchstieg dieser einmaligen Felsszenerie. Höhepunkt sind die 3 Seilbahnen, der Pendelgang und als Highlight die nepalesische Hängebrücke. Die Tour kann allen bestens empfohlen werden. Sie ist das ganze Jahr machbar und bietet gerade auch im Winter besondere Reize. Auch eine Nachtbegehung ist etwas Besonderes und kann bestens empfohlen werden. Oberer und unterer Schluchtteil zusammen: Fr. 105.- ca. 5-6 Std."

Es regnet leider noch sehr stark, als Xaver Bumann sich vorstellt, mit uns Duzis macht und uns Helm und Gschtältli aushändigt. Die Tour bezahlen wir sogleich, nämlich nur Fr.105.- pro Person. Dabei ist am Schluss der Tour auch ein Apéro mit Wein, Roggenbrot und verschiedenen Käsesorten inbegriffen. Doch nun beginnt zuerst unser Abenteuer in der Gorge Alpine: Mitten im Dorf, unterhalb des Parkhauses, geht es beim Hotel La Gorge in einen turmähnlichen Bau hinein. Letzte Instruktionen von Xaver, dann starten wir. Plötzlich wird der Regen schwächer, die Videokamera läuft. Der obere Teil gleicht hier einem Klettersteig, an den Felswänden entlang sichern wir uns an den Karabinern. Jede ( r ) hat ein Klettersteigset am Gschtältli. Das dauernde "Klick, Klick" wird uns nun die nächsten vier Stunden begleiten. Xaver klettert voraus und zeigt mir eine tote Gämse, die letzten Winter hier abgestürzt ist. Von ihr ist nur noch das Hinterteil und 2 Beine übrig. Das arme Tier hängt in einer Astgabel. Auf schmalen Brettern bewegen wir uns in den Felsen, dann durch einen Spalt hindurch, Jackie und Giusi bilden den Schluss. Mit jedem Meter sehen wir etwas Neues, die Schlucht ist sehr schön. Bald erreichen wir die erste Tyrolienne, sie ist etwa 55 Meter lang, Xaver seilt uns an. Zusammen mit Raphael fahre ich luftig am Stahlseil über den Abgrund, es ist ein Heidenspass. Immer zu zweit, um Zeit zu sparen. Wir schaukeln schon zu einer Plattform, Raphael klettert weiter, ich warte auf die Groupies, hänge sie aus. Wieder rollen zwei mit Geschrei auf mich zu, Xaver sichert von oben die Fahrt. Der Regen hat nun ganz aufgehört, blaue Fetzen am Himmel, das passt. Der Fels ist vom früheren Gletscher sehr schön ausgewaschen, man sieht tolle Strukturen, klares Wasser und unter uns liegen riesige Blöcke. Als ich den Karabiner mit Kette von Giusi übernehmen will, lässt er ihn im selben Moment los. Und weg ist die Rolle. Xaver bügelt das Malheur mit einem Lächeln wieder aus. Jeder Bergführer hat seine eigene Rolle im Rucksack und weiss genau, was er macht. Xaver arbeitet bei der Firma Mountain Life, wurde gebucht von Active Dreams und Bergsportschule Weissmies GmbH. Unser Führer holt uns wieder ein. Jetzt auf die andere Seite über ein Holzbrett, dazwischen immer wieder schöne Tiefblicke. Die Sonne wärmt uns auf, als sich die Schlucht ausbreitet und das Wasser in einem unterirdischen Stollen verschwindet. Die Lärchen und Birken leuchten jetzt im Herbst in den fantastischsten Farben, ein Traum fürs Auge, wie schon gestern auf der Wanderung. Die Schlucht ist offen, auf gemütlichem Wege zu einer Brücke, hier beginnt der untere Teil. Es ist strengstens verboten, die Schlucht ohne Bergführer zu begehen, steht auf verschiedenen Schildern. Wir verstehen das, denn alles hier ist harte Fronarbeit und ohne zusätzliche Sponsoren ginge gar nichts. Eine Walliser Gruppe befindet sich vor uns mit Einheimischen und einem Bergführer, wir warten etwas und schauen zu. Da passiert noch viel vor uns. Die zweite Tyrolienne hängt vor uns, ein langes Stahlseil, etwa 70 Meter lang, bald sind wir dran. Wieder runter mit Raphael, es ist genial, die anderen folgen. Gute Eindrücke zum filmen. Xaver hat immer sein rotes Seil dabei, um die Rolle zurück zu holen. Und diese Steine sind Gegengewichte, tolle Einrichtung. Am Ende dieser Seilbahn erspähen wir vier Leitern, die in die Tiefe führen. Das macht mächtig Spass und schon kommt das nächste Highlight. Eine erste lange Hängebrücke aus Holz, wir stehen dann wieder an. Die Walliser gehen voraus, wir schauen zu. Die dritte Tyrolienne hat am Anfang eine aufgeschnittene, halbe Plastikröhre, in die man sitzt und dann etwas in den Abgrund fällt. Wir gehen wieder zusammen, diesmal Christoph und ich, wir schweben an die andere Wand runter und sehen schon das Pendel und eine zweite Hängebrücke aus Holz. Hier warten wir auf die Kollegen und auf Xaver. Er richtet nun das nächste Abenteuer ein. Das Pendel ist genial, es geht voll über die Schlucht und etwa 30 Meter vom Fels entfernt ist der nächste Standplatz. Ich als erster muss nun rüber pendeln, man nennt es "Swing", wie schon 1991 auf der Brücke bei Worblaufen. Aber ich muss als einziger das erste Mal schon die Seile da drüben halten können. Alle anderen dürfen zweimal "swingen", weil ein Kumpel sie hält. Es ist weit und ich hoffe, es geht gut. Paff, und gehalten. Geklatsche drüben in den Felsen, sonst hätte ich mich noch blamiert. Der nächste ist Christoph, ich halte ihn und er übernimmt jetzt meinen Job, damit ich filmen kann. Weiter an einer Gletschermühle vorbei über die zweite, grosse Hängebrücke aus Holz, etwas aufsteigend an ein Plätzchen. Hier warten wir, schon bald klettert Xaver an der Wand entlang zu uns. Die vierte Tyrolienne hängt vor uns, sie führt direkt in eine Höhle hinein. Wir werden eingehängt und schon rauschen wir in die Tiefe, die anderen folgen. In der Höhle, so dachte ich, sei der Apéro, doch dies ist noch nicht das Ende. Daniela fragt mal nach bei Xaver, er gibt keine Abläufe mehr an sie weiter. Ist auch gut so, denn das Beste folgt sogleich. Aus der Höhle heraus klettern wir eine etwa 25 Meter hohe Aluleiter hoch und erreichen wieder Tageslicht mitten in groben Felsen. Oben angekommen, sagt Raphael zu mir: "Schau mal die Aluleiter da drüben". Und tatsächlich, ein silbriger Bogen spannt sich über die Schlucht, die nepalesische Hängebrücke. Sie endet mittendrin im blauen Himmel, 30 Meter über dem Bach, bestehend aus zusammen gehängten Aluleitern und zu Beginn mit 3 Baumstämmen, unglaublich. Vom Endpunkt führen die Stahlseile zur Felswand auf der anderen Seite. 100 Meter lang ist die Himmelsleiter der Nepalesen, und hoch ist sie, recht hoch. Xaver erzählt mir, hier gibt es einen Weg runter, durch ein Loch, für ganz harte Fälle. Das sagen wir Daniela natürlich nicht. Sie hat wegen ihrer Höhenangst nun wirklich langsam Probleme, Xaver kümmert sich um sie und sie gehen eingeklinkt ganz langsam auf die Brücke zu. Wie kommt man nur auf eine solche Idee. Die Bergführer müssen sich wegen dem Konkurrenzkampf immer wieder neue Abenteuer ausdenken. Uns soll es recht sein. Schön langsam bewegen sie sich gegen die Mitte, dort hängt Xaver Daniela ans Bergseil und lässt sie langsam runter. Das Schlimmste ist nun vorbei. Wir warten, bis sie dort sind. Ich filme die Szene, dann gehe ich auch. Die drei Baumstämme mit Kerben, es rüttelt, dann auf die Aluleiter, sie sind mit Stahlkabel verbunden. Oben sind wir am Tragseil eingehängt, leicht schwingt die Brücke. Hier ist es auch mir nicht mehr ganz wohl, alles ist in Bewegung, der Tiefblick ist super. Der Adrenalinspiegel steigt stetig an. Lächelnd steht da vorne Xaver, während ich ein Foto mache. Als ich ihn erreiche, hängt er mich sogleich ein, nun diese Szene noch kurz filmen. Es ist herrlich, langsam gleite ich diese 30 Meter hinab, schwebe dem Boden zu. Daniela lacht unten, dann ist es geschafft, es war gewaltig. Schon schreitet Christoph vorsichtig und langsam zu Xaver, dann Raphael, Mirella, Eric, zum Schluss noch Jackie und Giusi, gaaaannnnzzzzz nah beieinander. Jauchzer durchhallen die Schlucht, Eric schreit beim abseilen. Als der Führer runterkommt, gibt's einen Applaus. Alle sind wieder da und ein unglaubliches Abenteuer ist überstanden. Durch grosse Blöcke hindurch nun auf eine Wiese Richtung Saas Almagell, das Tal öffnet sich, Häuser kommen zum Vorschein. Nach 4 Stunden und 20 Minuten inklusive warten endet das Highlight Gorge Alpine. In voller Montur posieren wir für ein Gruppenfoto, an riesigen Tischen lassen wir uns nieder. Jackie geht mit Xaver hinter ein Holzhäuschen nebenan und sagt: "Hier kommt das Mann mit Wein"! Xaver packt seinen Rucksack aus und holt 4 Flaschen Weisswein, einige Sorten Käse und Walliser Roggenbrot heraus. Wir haben nun Hunger, noch mehr als eine Stunde bleibt uns für essen, Gemütlichkeit und Gespräche. Wir fragen Xaver, was er denn für einen Jahrgang hat. Stolz sagt er, dass er dieses Jahr 78 Jahre alt wurde. Uns schlägt es fast von der Bank. Man stelle sich das vor, 78 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Er sieht sicher 15 Jahre jünger aus, es ist unglaublich. Ihm macht so schnell niemand etwas vor. Er erklärt uns, dass er die Gorge Alpine heute zum 385. Mal durchquert hat, er bestieg das Matterhorn 80 Mal und erwanderte mit Gästen 1200 Mal das Allalinhorn in den letzten 40 Jahren. Hut ab vor Xaver! Gegen 15 00 h packen wir zusammen und anstatt 50 Minuten nach Saas Fee hoch zu wandern, fährt er uns in 2 Fahrten zurück, es ist eine kurze Strecke. Wir geben ihm etwas Benzingeld und verabschieden uns dann von Xaver beim Busbahnhof. Es war genial, wir danken ihm und ich sage, dass er auch in meinem Buch stehen wird. Jetzt zurück ins Mistral, wir trinken noch etwas, bezahlen Fr.85.- für die Zimmer, packen die Rucksäcke und verabschieden uns auch von Heidi Supersaxo. Ich erzähle ihr von meinem Alpengroupie - Buch Projekt und frage sie, ob sie auch als Sponsor mitmachen möchte. Sie ist dabei und hat die Gorge Alpine auch schon mal unter Gruppenzwang absolviert. Mirella bezahlt diese Zeche, weil sie letzte Woche 40 wurde, Merci. Auf Wiedersehen, Saas Fee, um 16 45 h fährt unser Bus ab. Abschied von Christoph, er fährt über Vevey nach Hause zurück. In Brig ein längerer Halt mit heissen Marroni und Sonnenschein, alles bezahlt wieder Raphael. Dann in unseren reservierten Zug nach Bern, wo wir um 20 04 h wieder abfahren. Hier erreicht mich Christoph auf dem Natel und sagt, heute sei einfach nicht sein Tag in Sachen Autofahren. Soeben sei ihm im Stau vor Oensingen einer hinten rein gefahren. So ein Pech. Aber er kommt noch nach Hause. Über Olten weiter nach Basel, wo uns Mirella verlässt. Um 21 20 h treffen wir in Laufen ein, wo dieses schöne Wochenende im Jubiläumsjahr 2006 sein Ende findet. Es war das Abenteuer dieses Jahres schlechthin. Jetzt findet in 2 Wochen noch das Trekking im Schwarzbubenland mit dem Fondue auf dem Meltingerberg statt, danach ist es in 6 Wochen bereits soweit für unser grosses Jubifest.